JANUAR 2012

26. Januar 2012 | Native Art
Die Gedanken zur Wildnis vom 15. Januar, eine ausserordentliche Begegnung mit Kurt und Annalise Biedermann, Sammler von Inuit-Kunst, und ein grossartiges Geburstagsgeschenk meiner Frau Ursula haben mich zu einigen Gedanken bewegt:

Kunst von indigenen Völkern ist zur Zeit hoch im Kurs. Im Englischen wird sie als «Native Art» bezeichnet. Ich habe mich gefragt, warum Sammler heute für eine kleine Inuit-Skulptur fünfstellige Beträge bezahlen. Und warum ich so fasziniert bin vom tanzenden Bären, den Ursula mir zum Geburtstag geschenkt hat.

Die Herausforderung, aber auch der Anfang des Rätsels Lösung, beginnt, wenn man den Begriff «Native» ins Deutsche übersetzen will. Das Online-Wörterbuch gibt als Hauptbedeutung «einheimisch» an. Doch irgendwie macht «Einheimische Kunst» als Übersetzung keinen Sinn. Als zweithäufigste Bedeutung wird dann «ursprünglich» angegeben. «Ursprüngliche Kunst» – das ist irgendwie schlüssig. Von Sammlern wird gerade das Ursprüngliche, das Kraftvolle, das Energetische dieser Kunstwerke betont.

Hier liegt wohl das Geheimnis verborgen: Diese Kunstwerke lassen eine Saite ganz tief in uns drin anklingen. Denn ich denke, dass das Echte, das Unverfälschte, das Ursprüngliche uns immer anzieht. Und – wenn ich diesen Gedanken weiterspinne, komme ich zum Schluss, dass diese Sehnsucht nach dem Echten und Unverfälschten im Kern unsere Sehnsucht nach Gott ist.

native art

Ein hübscher Kerl ist er, dieser Bär. Unten angefügt noch ein paar weitere Beispiele von grossartiger Native Art der Inuits (wer Kunstwerke dieser Art gerne einmal im Original bewundern möchte, dem sei ein Besuch in der Galerie Cerny in Bern empfohlen):

native art

native art

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15. Januar 2012 | Gedanken zur Wildnis
Heute in Richard Rohrs «Männerbibel» gelesen:
«... Über all die Jahrhunderte hinweg war es die Wildnis, in die Männer – aber auch Frauen – zogen, um ihre Seele zu entdecken. Denn im Gegensatz zur zivilisierten und gezähmten Welt des Menschen ist die Wildnis die Schöpfung Gottes – seine erste und ursprüngliche Kathedrale ... Tief in uns spricht die Natur immer noch zu uns. Manchmal durchdringt uns der Blick eines Tieres bis in unser Innerstes. Der Blick eines Tieres ist numinos, fast göttlich ... Es ist die Wildnis, die uns in Verbindung mit unseren Sinnen und mit unserem wahren Selbst bringt.»

wildnis

 

2. Januar 2012 | Lebens-wert?
Ein paar Gedanken, die mich zum Jahreswechsel beschäftigen: Seit gut zwei Jahren kenne ich Ernst und Meike und ihre drei Kinder Sophia, Julia und Laura. Julia und Laura gelten als behindert. Laura hat Trisomie 21, besser bekannt als Down-Syndrom. Julia hat eine Genkrankheit, die man noch nicht genau bestimmen kann. Sie ist in ihrer gesamten Entwicklung zurückgeblieben. Ihre Sehnerven sind zu 90% zerstört. Bei einer entsprechenden pränatalen Diagnose wären sie von vielen Eltern abgetrieben worden (Ich habe gerade kürzlich gelesen, dass in Deutschland 9 von 10 behinderten Kindern abgetrieben werden. Ich vermute, die Zahlen dürften für die Schweiz ähnlich sein.).

Der Gedanke, dass diesen beiden Kindern unter anderen Umständen das Recht auf Leben verwehrt geblieben wäre, hat mich sehr getroffen. Denn was für wunderbare Geschöpfe sind sie doch! Sie sind fähig, Liebe zu geben und zu empfangen. Sie berühren und bewegen viele Menschenherzen – vielleicht sogar mehr, als ich es je kann.

Ich habe grossen Respekt vor Ernst und Meike, dass sie diesen Kindern ihr Recht auf Leben nicht verwehrt haben, trotz dem Wissen, dass Julia und Laura sie mehr fordern werden als Kinder ohne Behinderung.

Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass der Entscheid über Leben und Tod eines ungeborenen Menschen nicht in unserer Hand steht. Ein Mensch, der ins Leben gerufen wird, soll das aus- und erfüllen können, wozu er bestimmt ist. Wenn ich ihm das Recht auf Leben nehme, spreche ich ein Urteil, das mir nicht zusteht.

Mit der freundlichen Genehmigung von Ernst und Meike möchte ich Dir nachfolgend ein paar Bilder von Laura und Julia zeigen, die in den letzten Dezembertagen 2011 entstanden sind.

laura und ernst
Laura und Ernst

julia und ernst
Julia und Ernst

julia und peter
Julia und ich

 

 

 

 



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